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Entstehung
Entsorgt im Klinikmüll
Eine Journalistin beschrieb im Sommer 1997 in einem Artikel der ´Zeit´den Umgang mit „toten Leibesfrüchten“ im Berliner Charité-Klinikum: Sämtliche gezeugten, aber im Laufe der Schwangerschaft verstorbenen Kinder unter einer festgelegten Grammgrenze landeten zusammen mit amputierten Körperteilen bzw. Organresten nach Operationen im Klinikmüll.
 
Im Frühjahr desselben Jahres hatte Susanne Schniering nach einer Fehlgeburt in der 12. SSW ihre Tochter in der 27. SSW tot geboren. Den Hinweis des damaligen Chefgynäkologen eines Hamburger Krankenhauses: „Ihre Tochter wird pietätvoll behandelt.“ hatte sie im Schock und erlebten Zeitdruck nach der Geburt nicht hinterfragt. Es gab also keine Beerdigung und kein Grab, später somit auch keinen Platz für Trauer und Erinnerung.
Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus wuchs die Idee zur Gestaltung eines Ortes, der auch anderen betroffenen Eltern Gelegenheit geben kann, trotz fehlender Bestattung und fehlendem Grab des eigenen Kindes zu gedenken.
Der Hamburger Friedhof Ohlsdorf bot sich als Parkfriedhof besonders an. Neben dem Aussuchen eines geeigneten Platzes ging es um dessen Gestaltung. Eine bereits vollendete Skulptur fand sich in dem Atelier der Schweizer Bildhauerin Beatrice Charen. Aufgrund der Größe („so wie ein Baby“) riet diese auch zum Aufstellen auf einer Stele und war bei allen weiteren Schritten (Aussuchen, Transport, Montieren), einschließlich der Einweihungsfeier im September 1999, dabei.
Die Finanzierung des Platzes und der Skulptur wurde durch den öffentlichen Spendenaufruf im Hamburger Abendblatt, Redaktion von „Mensch zu Mensch“ (Artikel zum Muttertag im Mai 1999) und eine besondere Spendenaktion der katholischen Frauen- und Familienbildungsstätte ermöglicht. Die Firma „Aeterna“ stiftete eine Grableuchte und liefert jedes Jahr kostenlos Kerzen dazu.
Die erste gestaltete Bodenplatte des Steinmetzes Ulrich Beppler war bewusst in schlichtem Beton gehalten, wurde aber aufgrund der immer schlechteren Lesbarkeit 2012 durch die heutige Basaltplatte ersetzt. Nach einigen Jahren ließ die Initiatorin auf der gegenüber liegenden Wiese hinter einer Bank einen Gingko einpflanzen. Dieser Baum, der langsam wächst und als Symbol für Dauerhaftigkeit gilt, soll bei allem Erinnern an die Toten uns auch erinnern an unser Weiterleben!
 
Die Resonanz, sowohl auf der Einweihungsfeier, als auch als bei den späteren Besuchen des Platzes zeigt, wie groß das Bedürfnis danach ist, einen Ort für die Trauer zu haben. Abgelegte Steine, bemalt und beschriftet, Kerzen, Engel und zahlreiche Spielzeuge erzählen davon. Blumen werden immer wieder eingegraben, als müsse wenigstens „etwas“ in die Erde.
Inzwischen kommen immer wieder auch Menschen, deren Kinder dank des neuen Bestattungsgesetzes (siehe auch Link „weitere Infos“) gesammelt beerdigt worden sind. Vielen ist die Skulptur ein wichtiger Aspekt, wie sie sagen.
Wer mehr lesen möchte, sei auf den Link „Buch“ hingewiesen!
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Die Skulptur